Teil 2: Glasbruch, MacGyver-Tricks & 90 Minuten Vollgas – Das Finale in Almeria
- Julius 442

- vor 2 Tagen
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Vom Autobahn-Schock zum Endurance-Krimi auf der längsten Strecke Spaniens
Nachdem wir uns in den ersten Tagen an die Strecke gewöhnt und das Setup dank unserer Partner JR Suspension und Motorrad Leber optimiert hatten, schien alles bereit für den Angriff auf die Bestzeiten. Ich knackte mit der Panigale V2 die 1:45,5 (Damit knapp eine Sekunde schneller als 2022/23 mit der 1299s ... Fun Fact: es existiert kein Data-Recording, denn ich hatte mein Vorderrad verkehrt herum eingebaut – damit wurde der "Trigger" nicht ausgelöst. Manchmal muss man einfach nicht zu viel nachdenken!). Auch Sascha fand immer mehr Rhythmus. Doch der Motorsport-Gott prüft seine Jünger bekanntlich gerne – und diesmal erwischte es uns erst einmal abseits der Piste.
Der 2. Weihnachtstag: Ein Schock auf der Autobahn
Am 26.12., auf dem Weg zur Rennstrecke, passierte das Unfassbare: Bei knapp 120 km/h auf der Autobahn flogen aus dem Nichts zwei große Steine von der Gegenfahrbahn direkt auf unseren Sprinter zu. Es gab ein Pfeifen und dann zwei laute Schläge. Das Ergebnis: Ein golfballgroßes Loch in der Frontscheibe und eine komplett zertrümmerte Seitenscheibe. Wir hatten riesiges Glück und blieben unverletzt ... aber das war schon ein ziemliches Ding.
Wir waren noch knapp 20min von der Rennstrecke entfernt - morgens ist es im Dezember in Almeria / Tabernas echt frisch... "Sascha zieh dir ne Jacke an, wir fahren weiter".
Die folgende Odyssee war weniger erfreulich: Meine Versicherung, die HUK24, zeigte sich von ihrer bisher schlechtesten Seite. Der Mitarbeiter am Notfalltelefon war hörbar unzufrieden über seinen Dienst an Weihnachten und ließ uns wissen, dass Pannenhilfe im Ausland bei Glasschäden „nicht drin“ sei. Danke für nichts.
Zum Glück gibt es die Racer-Community und lokale Helden. Während Carglass erst neun Tage später einen Termin hatte (uns aber immerhin eine Plexiglasscheibe für die Nacht provisorisch einklebte), rettete uns die Firma Ralasar in Almeria. Da unser Sprinter mit 2,60m Höhe nicht in deren Halle passte, baute der nette Mitarbeiter die neue Scheibe am Montag kurzerhand auf offener Straße ein. Die Rückreise war gesichert!
„Regenreifen? Brauchen wir nicht!“ – Berühmte letzte Worte
Almeria liegt in einer der trockensten Regionen Europas – eigentlich. Wie im ersten Teil erwähnt, schafften wir das Kunststück, in Summe vier Regentage zu erwischen. Julius‘ großspurige Ansage vor der Abreise („Regenreifen brauchen wir nicht, eher spielen wir Lotto!“) rächte sich auch nach Weihnachten nochmal bitter. Gerade die Unzuverlässigkeit des Wetterberichts drückte aufs Gemüt im Fahrerlager.
Die Königsdisziplin: Andalucia & Iberia
Als der Regen endlich abzog, wartete die ultimative Herausforderung: Der Circuito Iberia, eine 9 Kilometer lange Kombination aus der Strecke Almeria und dem technischeren Kurs Andalucia.
Sascha beschrieb den Kurs als „komplett blind“ – eine Achterbahn voller Bodenwellen und Kuppen ohne klare Orientierungspunkte. Wer hier die Linie verliert, landet schnell im Kies. Sascha brauchte eine Weile, um warmzuwerden, und auch ich blieb noch weit hinter meiner 2023er Bestzeit zurück.
9km durch die Wüste - Circuito Iberia
Die Verbindung beider Strecken ist spektakulär. Die Übergänge sind extrem cool gelöst, aber der Asphalt-Unterschied ist brutal: Wie 120er Schmirgelpapier (Andalucia) gegen 16er Korn (Almeria). Besonders das Anbremsen auf den Übergangsknick mit über 250 km/h erfordert Mut, da der Asphalt dort zwar Grip hat, aber optisch staubig wirkt. Das sieht man vorallem wenn jemand direkt vor einem Fährt und erstmal eine kleine Staubwolke am Hinterrad hoch kommt...
Der MacGyver-Moment: Ein Rahmenbruch vor dem Start
Kurz vor dem großen Langstreckenrennen wollte uns die Technik noch einmal in die Knie zwingen. Bei der Durchsicht der Panigale V2 entdeckten wir am vorletzten Tag einen Ermüdungsbruch im Aluminium-Heckrahmen. Ein K.O.-Kriterium? Nicht für Schnurri-Racing.
Mangels Schweißgerät griffen wir in die Trickkiste: Mit einer strategisch platzierten Armee aus Kabelbindern, "präzise" gezwirbeltem Sicherungsdraht und etwas Geschick „nähten“ wir den Rahmen wieder zusammen. Es sah wild aus, aber es hielt bombenfest – so viel sei verraten: Das Provisorium überstand das komplette Endurance-Rennen!
Das 90-Minuten-Endurance Rennen
Der krönende Abschluss! 38 Teams starteten beim Le-Mans-Start, vom Profi bis zum Erstling. Da Sascha eine Erkältung ausbrütete, passten wir die Taktik an: Julius fuhr den Startstint von mindestens 40 Minuten. Dann Wechsel auf Sascha ("solange du kannst") und dann sollte ich wieder den Abschluss machen.
Der Start verzögerte sich um einige Sekunden, da wir - Breitensport sei Dank - einige Teilnehmer hatten die beim LeMans Start den Motor laufen hatten. Nach ein paar beherzten Rufen der Offiziellen ("Motor aus!") konnte es endlich losgehen, wenn auch im Dichten Gedränge mit ordentlich Respekt (Reifen sicherlich auch nicht mehr besonders heiß).
Das Rennen lief gut; ich konnte Anfangs ein paar gute Starter wieder einholen, dann zogen die schnelleren vor mir weg und hinter mir wurde es leer. Ich drehte Runde um Runde bis unser „professionelles“ Boxensignal zum Einsatz kam: Die Plexiglasscheibe aus dem Sprinter (das Provisorium von Carglass), beklebt mit „PIT“. Ich kam rein, übergab an Sascha. Der Plan: Sascha fährt, solange er kann und hält dann das Bein raus.
Nachdem ich mich um Motorrad und Familie geküpmmert hatte, stand ich gerade eine Minute entspannt an der Mauer, sah Sascha vorbeifliegen, mit dem Helm nicken und dachte: „Der hat Spaß, der fährt noch ne Runde. Dann hol ich ihn rein.“ Ich wollte das Pitboard gerade raushalten , da rollte Sascha plötzlich in die Box.
„Was ist los?!“
„Mein Bein hat gekrampft!!!“
Mit einem herzhaften „Woher soll ich datt denn wissen?!“ klappte ich, trotz schmerzender Schulter, den Helm wieder zu und ging auf die letzte Etappe. Während andere Teams im Kies landeten, brachten wir das Ding sicher nach Hause: Platz 9 von 38 Startern (34 Finisher).
Unser spontaner Boxenstopp hat uns zwar etwas Zeit gekostet, war aber letztlich für die Platzierung egal.
Ein Abschied auf Zeit: Next Stop Valencia
Die Abreise begann für uns im Neuen Jahr um 4:15 Uhr morgens, da unsere Flugreisenden früh raus mussten. Doch die Panigale V2 trat keine komplette Heimreise im Sprinter an. Wir übergaben sie vertrauensvoll in die Hände von Bike Promotion. Sie ist eingelagert und direkt zum nächsten Event im März 2026 auf den Circuito Ricardo Tormo in Valencia bereit.
Ein Blick auf das Transportprotokoll verrät dabei unsere letzte Mission: Unter „Previous Damage“ haben wir notiert: „Palmi to find welder“. Heißt also: Bis Valencia wird unser Kabelbinder-Kunstwerk am Heckrahmen fachmännisch geschweißt sein.
Zurück ins "Schneechaos"
Die Rückreise führte uns über Lyon wo wir nach etwa 1500km erster Tagesetappe wieder an einem sicheren Rastplatz eine Nacht Pause machen. Am nächsten Morgen ab 6.00 ging es durch ein vereistes Nordfrankreich und ein schneebedecktes Luxemburg immer näher nach Hause. Ein Highlight zum Willkommen nach der Deutschen Grenze war eine Zollkontrolle (zwei Typen im Sprinter... war ja klar). Der nette deutsche Zollbeamte, der beim Anblick des Equipments fragte: „Ah, Motorsport... Haben Sie Spezialtreibstoff dabei?“ sorgte bei uns noch für viele Lacher auf der Rückreise. Spoiler: nee, hatten wir nicht - wir waren sogar der Versuchung widerstanden günstigen (1,30 Euro / Liter) spanischen Sprit zu importieren.

Zuhause angekommen, gilt unser Dank dem heimlichen Star der Reise: Unserem Sprinter, der über 5.000 km (und einen Steinschlag) klaglos weggesteckt hat - er hat sich den nächsten Service beim Autoprofi Grams redlich verdient.
Ein riesiges Dankeschön geht an unsere Partner Motorrad Leber, NGK, Ducati Kämna und JR Suspension. Ohne euer Material und Know-how wären solche Trips – und solche Rundenzeiten – nicht möglich.
Wir sehen uns demnächst wieder auf der Kartbahn in Wuppertal und bei Bike Promotion im März in Valencia!
Schnurri-Racing – Over and Out.




























