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Teil 1: Winterflucht in die Wüste – Anreise, Setup-Tüftelei und Wetter-Lotterie

Von Velbert nach Andalusien: Schnurri-Racing startet die Saisonvorbereitung

Wenn in Deutschland die Temperaturen in den Keller gehen, gibt es für Racer ja eigentlich nur eine Richtung: Süden. Für das Team von Schnurri-Racing, Sascha und Julius, hieß das Ziel kurz vor Weihnachten: Circuito de Almería in Spanien. Gebucht hatten wir die „Flatrate“ bei Bike Promotion, um uns so richtig sattzufahren. Doch bevor der erste Reifenwärmer aufgezogen werden konnte, stand eine logistische und kilometerfressende Herausforderung an.



2.300 Kilometer „Packing Tetris“

Die Reise begann im Schnurri-Racing HQ in Velbert mit dem klassischen „Tetris für Fortgeschrittene“. Über 20 Reifen, drei Motorräder (Julius' Panigale V2, die wiederbelebte Ducati 1198 und Sascha's Yamaha R1), Werkzeug sowie Ersatz- und Sturzteile mussten in den Sprinter.


Der Startschuss fiel am 18.12. Die erste Etappe führte uns bis nach Südfrankreich, wo wir – sicherheitsbewusst – an einem Rastplatz direkt unter einer Security-Kamera übernachteten. Am 19.12. folgte der zweite Ritt bis Almería. Nach insgesamt 2.300 Kilometern und schmerzenden Hintern erreichten wir die spanische Wüste von Tabernas.



Box 29/30: Ein Zuhause in der Fremde

In der Sammelbox 29/30 fanden wir schnell Anschluss. Die Mischung war typisch Fahrerlager: Zwei brandneue Panigale V4S und V4R mit sympathischen Vater-Sohn-Pilotenduo von der Ostsee, eine vierköpfige Vierzylinder-Armada aus Tirol, zwei schnelle Jungs auf 1000er Honda Fireblade und Kawasaki RR-Sondermodell, eine schwer carbonhaltige BMW aus der Schweiz und Felix Kauertz mit seiner 600er Kawasaki für die IDM. Unser schweizerischer Boxen-Ältester sorgte direkt für Furore: Er hatte auf der Herreise Einbrecher verjagt, dabei zwar eine dicke Platzwunde und ein blaues Auge kassiert, aber heldenhaft sein Equipment verteidigt.


Für Julius bereits das 6. Mal Almeria war Sascha erstmal schwer beeindruckt von der kargen Wüstenlandschaft, die die Rennstrecke umgibt – eine Kulisse wie aus einem Westernfilm. Abends checkten wir in unserer Ferienwohnung in Almeria ein - ein echter Glücksgriff wie sich noch herausstellen sollte.


Setup-Arbeit und Wetter-Lotterie

Die ersten Tage waren geprägt von mittelmäßigem Wetter und der Suche nach einem soliden Setup. Julius musste nach seinem Highsider in Portimao im November erst wieder Vertrauen fassen, während Sascha die Strecke kennenlernte. Wenn man schon Felix Kauertz als Boxen-Nachbarn hat, dann nutzt man die Gelegenheit ... was der Kerl da mit absolut (excuse our french) "durchgebumsten" Reifen aus seiner 600er noch rausquetscht ist echt der Hammer. Er zog Julius wieder auf ein annehmbares Niveau und zeigte ihm gleichzeitig das da noch (viel, viel) mehr geht.


Dank der Unterstützung unserer Partner konnten wir auch technisch aus dem Vollen schöpfen. Die Ducati Panigale V2 mit ihrer Mectronik ECU, AIM Datalogger und Laptop wurde Julius' Arbeitstier. Der fantastisch schnelle und super nette Marvin Kreimes unterstützte ihn mit seiner Rahmenlehre und ein paar Setup Tipps der Profis: Heck höher, Federhärte dank variabler Umlenkung (von Ducati Kämna) auf weich – und sofort arbeitete das Heck besser.



Reifen-Fazit:

Sascha testete den Metzeler TD Slick. Ein echter Tipp für kalte Tage: Er hielt in Almería weitere fünf Tage (nach zwei Tagen Assen!). Der Grip-Unterschied zum Bridgestone V02 Soft ist jedoch spürbar – der Wechsel des Hinterrades brachte Sascha sofort 3 Sekunden Zeitgewinn. Julius‘ Experiment mit dem Bridgestone Medium an der Front scheiterte an den kühlen Temperaturen, während der V02 Soft zuverlässig funktionierte. Vielen Dank hier an unseren Partner Zweirad Leber aus Velbert und Reifen Weigand aus Wuppertal die uns erstklassiges Material besorgten.


Die nasseste Wüste Europas?

Almería liegt in einer der trockensten Regionen Europas. Eigentlich. Wir schafften es trotzdem, in Summe vier Regentage zu erwischen. Julius‘ Großspurigkeit („Regenreifen brauchen wir nicht! Besser können wir Lotto spielen!“) rächte sich bitter. Statt zu fahren, nutzten wir die zwei Regentage vor Weihnachten für Wartungsarbeiten (Ölwechsel mit Zweirad Leber Equipment & NGK Zündkerzen-Check) und erkundeten Almería-Stadt. Die Mischung aus historischen Gebäuden, abgerockter Küstenstadt und modernem Tourismus hat ihren ganz eigenen Charme. Trotzdem war die Stimmung im gesamten Fahrerlager doch eher gedrückt - so hatte sich das kaum einer vorgestellt. Zumal die Vorhersagen den Wert einer alten Zeitung hatten - leider komplett unbrauchbar...


Die Diva: Ducati 1198

Ein emotionales Highlight trotz des bescheidenen Wetters war die Wiederbelebung von Julius' Ducati 1198. „Geil!“, war das Fazit nach den ersten Runden. Trotz kleinerer Ölleckagen am Inspektionsdeckel (Danke an Saschas Dichtkünste!) und ergonomischer Eingewöhnung, macht das alte Geschoss mächtig Laune. Allerdings zickte die Kupplung: Erst löste sich die Hauptmutter (Glück im Unglück), dann passte die Paketstärke der Ersatzteile nicht. Um nichts zu riskieren, vertagten wir das Projekt auf zuhause. Aber eins ist sicher: dank dem gemachten Ducati Kämna Motor mit dem JR Suspension Fahrwerk wird das Ding im Jahr 2026 eine echte Spaßgarantie sein.


Teaser:

Wie eine kaputte Windschutzscheibe fast die Rückreise gefährdete, warum wir deshalb eine Plexiglasscheibe als Boxentafel nutzten und wie das 90-Minuten-Endurance-Rennen auf der gigantischen „Iberia“-Strecke ausging, lest ihr in Teil 2!

 
 
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