Gastbeitrag Teil 2: Auf der Strecke, in der Werkstatt und mein Highlight bei Schnurri-Racing
- sperlinganton
- vor 3 Tagen
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Ein Gastbeitrag von Anton Sperling
Willkommen zurück zu meiner Pitbike-Reise! Nachdem meine IMR 155 im ersten Teil technisch und optisch auf Vordermann gebracht wurde, ging es nun an das Wichtigste: Fahrzeit sammeln.
Neue Strecken erkunden (In- und Outdoor)
Mein erster Ausritt mit dem eigenen Bike führte mich auf einen Parkplatz-Kurs in Witten. Bei anfänglich nassem Asphalt, der zum Glück schnell abtrocknete, lernte ich das Bike besser kennen. Der Grip war ordentlich, auch wenn Kurse mit Flatterband und Reifenstapeln durch gelegentliche Bodenwellen Konzentration erfordern.
Ein besonderes Highlight im Winter war eine Indoor-Strecke in Wuppertal, auf der regelmäßig freies Fahren für Pitbikes angeboten wird. Hier war der Grip fantastisch, und nach einigen Anpassungen am Luftdruck und dem Fahrwerk fühlte ich mich pudelwohl. Eine weitere Indoor-Erfahrung in Essen bot eine riesige, schnelle Strecke. Da die Trainings hier jedoch oft tief in der Nacht (23:00 bis 03:30 Uhr) stattfanden, musste ich als Familienvater feststellen: Ich bin vielleicht doch etwas zu alt, um mir für den Sport die Nächte um die Ohren zu schlagen.
Sobald es wärmer wurde, lockten die Outdoor-Kartbahnen. Eine Anlage in Spa bot eine unvergleichliche Streckenführung und enormen Fahrspaß, wenngleich die Infrastruktur (wenige Steckdosen, Schotter im Fahrerlager) Raum für Verbesserungen ließ. Auch auf weiteren Strecken in Jüchen und Kerpen konnte ich reichlich Runden drehen – der Verschleiß an den Reifen stieg im Sommer rapide, aber der Spaßfaktor war gigantisch!
Upgrades: Reifen, Vergaser und Eigenbau
Da Outdoor-Fahren die Reifen stark beansprucht, wechselte ich von meinen alten Semi-Slicks auf reinrassige Slicks und besorgte mir für schlechtes Wetter sogar Regenreifen. Zudem gönnte ich mir einen neuen Vergaser (Nibbi PE26). Um die Gasannahme weiter zu optimieren, entwarf ich im CAD einen eigenen Ansaugtrichter und druckte ihn aus TPU. Zwar musste ich die Bedüsung per Try-and-Error komplett neu einstellen, aber die Leistung im unteren Drehzahlbereich wurde dadurch spürbar besser.
Auch beim Federbein musste ich nachbessern: Da die Originalbefestigung etwas Spiel hatte, ersetzte ich die Standard-Bolzen durch hochpräzise Passschrauben. Eine 99%-Lösung, die für mich perfekt funktioniert!
Mein Highlight: Das Intensivtraining bei Schnurri-Racing
Nach über einem Jahr auf dem Pitbike merkte ich, dass ich fahrerisch an ein Plateau stieß. Zwar war ich regelmäßig unterwegs, aber echte, technische Fortschritte stellten sich kaum noch ein. Also buchte ich im Februar 2026 ein Intensivtraining bei Schnurri-Racing in Wuppertal.
Was soll ich sagen? Es war ein voller Erfolg und das absolute Highlight meiner bisherigen Pitbike-Karriere. Durch die stark reduzierte Fahrerzahl hatte man unheimlich viel Platz auf der Strecke. Sascha und Julius von Schnurri-Racing machen einen überragenden Job: Sie sind super sympathisch, extrem entspannt und bringen die Inhalte absolut verständlich rüber.
Die Spezialübungen brachten genau die Abwechslung und die Aha-Momente, die mir gefehlt hatten. Man wird nicht einfach nur auf die Strecke geschickt, sondern permanent betreut. Die familiäre Atmosphäre (inklusive gratis Kaffee, Wasser und von Teilnehmern mitgebrachten Muffins) macht diese Events zu etwas ganz Besonderem. Wer fahrerisch weiterkommen will oder einfach eine top organisierte Veranstaltung sucht, ist hier genau an der richtigen Adresse.
Fazit nach einem Jahr Pitbike
Für mich war der Einstieg in die Pitbike-Szene die beste Entdeckung seit Langem. Es ist die perfekte Möglichkeit, auch im Winter oder nach Feierabend an seiner Fahrtechnik zu feilen und einfach Spaß zu haben. Und das Beste: Im Vergleich zu Trackdays mit der großen 1000er auf einer GP-Strecke ist das Pitbiken um ein Vielfaches günstiger. Ein Trainingstag kostet je nach Strecke zwischen 35 und 80 Euro.
Habt ihr auch Lust bekommen? Dann probiert es aus!
Euer Anton
BONUS: Pitbike FAQ – Die wichtigsten Fragen für Einsteiger
Da ich auf der Strecke immer wieder von Interessierten angesprochen werde, habe ich zusammen mit dem Team von Schnurri-Racing die wichtigsten Fragen zum Einstieg für euch zusammengefasst:
1. Was ist überhaupt ein Pitbike?
Ursprünglich waren Pitbikes kleine Motorräder, mit denen sich Mechaniker und Rennfahrer im Fahrerlager (der "Pitlane") fortbewegten. Heute sind es vollwertige, kleine Rennmotorräder, die von Hobby- bis hin zu MotoGP-Fahrern intensiv als Trainingsgeräte genutzt werden. Sie verzeihen Fehler, schulen die Blickführung und die Körperhaltung enorm.
2. Welches Pitbike eignet sich für den Einstieg?
Bewährte Marken für den Einstieg sind unter anderem IMR, MRF oder YCF. Für den Betrieb in der Halle & Outdoor empfiehlt sich meist ein Motor mit 155 ccm bis 160 ccm (oft der bekannte ZS155 Motor) oder ein 190 ccm Motor. Die 140 ccm Motoren sind oft sehr robust und haben auch eine ausreichende Leistung wenn man ausschließlich in der Halle unterwegs und nicht zu groß und schwer ist.
3. Brauche ich einen Motorradführerschein?
Nein. Pitbikes haben in der Regel keine Straßenzulassung und werden ausschließlich auf abgesperrten Strecken (In- und Outdoor-Kartbahnen oder speziellen Trainingsplätzen) bewegt.
4. Was kostet der Einstieg?
Neue Einstiegs-Pitbikes liegen preislich oft bei ca. 1.800 bis 2.500 Euro. Gute gebrauchte Bikes findet man zwischen 1.000 und 1.500 Euro. Hinzu kommen eventuell Kosten für Upgrades (Handguards, Slider, Catchtanks), die von vielen Hallenbetreibern vorgeschrieben werden. Empfehlenswerte Upgrades sind vorallem die passenden Reifen für den Einsatzzweck, eine vernünftige Bremse und eine fachmännische Abstimmung des Vergasers (damit ist jetzt kein Prüfstandslauf gemeint, aber eine solide Grundeinstellung damit das Pitbike läuft und ihr viel Fahr- und wenig Schraubzeit habt).
5. Welche Schutzausrüstung ist vorgeschrieben?
Auf den meisten Strecken herrscht strenge Schutzkleidungspflicht:
Integralhelm
Lederkombi (Einteiler oder Zweiteiler)
Motorradstiefel und -handschuhe
Rückenprotektor
Zwar sind die Stürze auf dem Pitbike in der Regel harmlos, im eigenen Interesse sollte aber auf absolut intakte Schutzkleidung geachtet werden. Dabei darf die Kombi ruhig schon Gebrauchsspuren haben - wichtig ist, dass Euch eure Ausstattung schützt.
Ebenso wichtig für alle Indoor-Hallen: Plastikschleifer an den Rasten, Achsprotektoren sowie Überlaufbehälter (Catchtanks) für Betriebsflüssigkeiten. Zudem verbieten manche Hallen Ölkühler oder schreiben sogar speziellen Treibstoff vor. Das ist aber zum Glück die Ausnahme.
6. Wie transportiere ich ein Pitbike?
Aufgrund der geringen Größe passen Pitbikes (mit umgeklappter Rückbank) oft sogar in einen normalen Kombi oder SUV. Achtet dabei aber unbedingt darauf, alle Flüssigkeiten gut abzudichten, Tankentlüftungen zu sichern und den Innenraum großzügig mit Planen auszulegen. Alternativ ist ein kleiner Anhänger oder ein Transporter die elegantere Lösung.
Es gibt zudem Fahrrad- oder Roller-Träger die man auf der Anhängerkupplung montieren kann - die meisten Pitbikes wiegen um die 70kg, was für viele Anhängerkupplungen so gerade noch geht.












